Aachen. Die angehenden Erzieher und Erzieherinnen der Bischöflichen
Clara-Fey-Schule konnten Einblick erlangen, wie es ihren Nachbarn in der
Euregio während ihrer Ausbildung ergeht. Dr. Rudolf Nottebaum, Leiter
der Sozialpädagogikschule, initiierte ein „Europa-Projekte", bei dem
zum einen Referenten von Pädagogischen Hochschulen aus Belgien und
Holland über ihre Erfahrungen berichteten und zur Diskussion zur Verfügung
standen. Zum anderen gestatteten Besuche einiger Kindergärten, Kinder-
und Jugendheime im Grenzgebiet einen praktischen Einblick in deren Arbeit
vor Ort.
Vor allem fielen bei diesen Hospitationen die Unterschiede in Ausbildung
und Ausführung des Berufs auf. Während zum Beispiel in Deutschland
nicht unbedingt zwingend das Abitur zur Aufnahme der Ausbildung verlangt
wird, ist in Belgien und Holland der Weg an ein Studium geknüpft.
Parallel mit der Lehrerausbildung verlaufen dort die Bildungsgänge
auf einem - so scheint es - höheren Niveau. Die Aus-wertung durch
die Schüler und Schülerinnen ergab aber, dass es grundsätzlich
keine gravierenden Unterschiede gibt. Lediglich die spezifischere Ausbildung,
auch in Bereichen der Informatik oder in Fremdsprachen, ließe einen
Unterschied erkennen.
Mit dem Schritt in ein offenes Europa. waren bei den jungen Erziehern
besonders Fragen nach Berufsmöglichkeiten und Chancen in diesen. Ländern
aktu-ell. Leider musste man ernüchtert feststellen, dass diese
Wege noch nicht offen stehen, zum Beispiel in Belgien, wo der Weg zu einem
höheren Beamten, so die Klassifizierung der Pädagogen, nur belgischen
Staatsbürgern offen steht.(aw)
„Inhalte der Ausbildung angleichen“
Aachen. Welchen Stellenwert hat die Arbeit der Erzieherinnen in unserer
Gesellschaft? Und welche Akzeptanz innerhalb des europäischen Vergleichs
hat die deutsche Ausbildung zur Erzieherin? Diese und weitere Fragen wur-den
bei einer Podiumsdiskussion in der Clara-Fey-Schule vor rund 150 angehenden
Erziehern und Erzieherinnen besprochen. Innerhalb eines mehrtägigen
Projekts, bei dem die Schüler auch den Praxistest im benachbarten
Ausland machten (siehe obigen Bericht), wurden als Diskussionspartner Jutta
Appelt, Landtagsmitglied der CDU und ausgebildete Erzieherin, Felix Becker,
Land-tagskandidat der FDP, Margret Ortstein von den Grünen und Karl
Schultheis, SPD-Unterbezirksvorsitzender Land-tagskandidat und im Bildungsministe-rium
NRW beschäftigt, gewonnen. Die Diskussionsleitung hatte AZ-Redakteur
Peter Sellung. „Nur gut ausgebildete Erzieher und Erzieherinnen können.
sich entsprechend mit Kindern und Jugendlichen zu einem Zeitpunkt
beschäftigen, in dem das Förderpotenzial so hoch ist wie nie
mehr im weiteren Leben", gab Schulleiter Dr. Rudolf Nottebaum vor.
In ihren kurzen Stellungnahmen zu Beginn zeigten sich alle Politiker
darin einig, dass der Erziehung und der Ausbildung der Erzieher ein besonderes
Augenmerk zufallen müsse. Auch sei es wesentlich zu erreichen, dass
die Ausbildung und die entsprechenden Abschlüsse innerhalb der EU
vergleichbar und somit durchlässig würden.
Alle Parteien haben es sich für die NRW-Landtagswahl im Mai auf
die 'Fahnen geschrieben, auf eine Angleichung der Ausbildungsinhalte auf
europäischem Niveau allerdings mit weiterhin hochwertiger Ausbildung
hinzuwirken. Dabei seien die Anforde-rungen an die Erzieher heutzutage
deutlich angestiegen und komplexer
geworden, als es in der Öffentlichkeit bekannt sei, sagte Ortstein:
„Es sind eben keine Kindergartentanten, die die Kleinen da vormittags beschäftigen.“
Schultheis betonte, dass in der Primärerziehung, die die Erzieher
leisteten, die Grundlagen für die Entwicklung liegen. Auch aus dieser
Sicht sei es anzustreben, dass Erzieher den Grundschullehrern gleichgestellt
würden. Auch Appelt meinte, „es wäre ehrlicher und besser, wenn
diejenigen, die die Grundlagen der Ausbildung legen, besser bezahlt würden".
Auf die Frage nach konkreten politi-schen Schritten, sagte Becker,
die Ausbildungsordnung sollte geändert werden. Auch Ortstein forderte
eine längere Ausbildung. Schultheis betonte die ' faktisch hohe Qualität
der Ausbildung, die nur aus formalen Gründen (in Deutschland mit Ausbildungsbescheinigung,
in Belgien und den Niederlan-den mit Diplom) in anderen europäischen
Ländern nicht adäquat anerkannt würde. Sie dürfe durch
eine Ausbildung per Studium nicht verringert werden: „Wichtig ist immer,
dass Theorie und Praxis vermit-telt werden. Studium um jeden Preis muss
nicht sein." Wenn es aber der Durchlässigkeit auf EU-Ebene diene,
solle man die Ausbildung ändern.
Nicht zu klären war die Frage nach den Kosten. Alle Politiker
betonten, es müsse mehr in die Bildung investiert werden, gleichzeitig
verhindere die knappe Kassenlage aber große Sprünge.(mow)