Aachener Zeitung Nr.145, Montag, 26.06.2000:
Wildschweinstechen wie zu Zeiten Karls des Großen
700 Akteure beim Domfest - Clara-Fey-Schule in alten Gewändern
 
Aachen. Auf dem Schulhof der Clara-Fey-Schule tummeln sich seltsam gekleidete Menschen, aus einem Lautsprecher erklingt fremde Musik, und vor mittelalterlichen Ständen verkaufen Marktfrauen ihre Ware. Generalprobe zum Aachener Domfest, das am 19. und 20. August rund um den Aachener Dom stattfinden wird, ist angesagt. Insgesamt werden 30 Aachener Gruppen das Fest mitgestalten, rund 700 Akteure haben sich für diesen Tag ein Programm zum Thema „1200 Jahre Aachener Dom“ überlegt. „Seit zwei Jahren sind wir mit der Konzeption beschäftigt,“ erzählt Lars Harmens, Organisator des Spektakels, das den Zuschauern zwei Tage lang und zehn Stunden täglich ein kostenloses Programm rund um den Aachener Dom bieten wird. Die angehenden Erzieherinnen und Erzieher der Clara-Fey-Schule in der Michaelsbergstraße wollen mit einem mittelalterlichen Hofspiel die Zeit der Entstehung des Doms nachstellen. Hier kann man Lanzenstechen, Sackhüpfen, Ringwerfen oder ein einhölzernes Wildschwein um eine Stange wirbeln. Tänze für Kinder und Erwachsene laden zum Mitmachen ein. Vor allem die ganz kleinen Zuschauer sind gefragt, wenn es darum geht, beim Theaterstück „Der böse Wolf“ mit Fellstücken die gefährliche Titelfigur auf der Bühne aufzubauen oder mit Holzstöckchen ein galoppierendes Pferd zu imitieren. Alle 80 Schülerinnen und Schüler sind in braunrotes Leinentuch gewandet, das sie im Kunstunterricht selber hergestellt haben.
„Dem ganzen Kostüm lag nur ein einfacher Grundschnitt zugrunde,“ so die Kunstlehrerin Uschi Lengersdorf, die zusammen mit ihrer Kollegin Anne Behnke den gestalterischen Teil der Organisationsarbeit übernommen hat. Mit Lederbändchen, Nadel und Faden waren der Kreativität aber keine Grenzen gesetzt, und manch einer entdeckte ungeahnte Talente, wenn es darum ging, das eigene Kostüm möglichst originell zu gestalten. Die Generalprobe sollte für alle Beteiligten selber zum Fest werden, und so wurden die Spielbuden dieser Tage schon einmal im Garten der Clara-Fey-Schule aufgebaut, die Kostüme angezogen und die mittelalterlichen Tänze und Spiele aufgerührt.  Es wurden Würstchen gegrillt, und Apfelsaft wurde in Tonkrügen zur Erfrischung gereicht. Selbst Organisator Lars Harmens griff zum Lederhammer und versuchte mit dessen Hilfe, beim „Wildschweinstechen“ ein hölzernes Schwein so oft wie möglich um eine Querstange zu wirbeln.
Nach den Sommerferien wird es dann ernst. Mit mehreren Bullis wird das umfangreiche Equipment auf den Aachener Fischmarkt gefahren und dort von den Schülerinnen und Schülern eigenhändig aufgebaut. Dann wird die fremde Musik auch auf dem Fischmarkt zu hören sein, und die seltsam gekleideten Menschen werden während des Domfestes ab 10 Uhr die Passanten in die Zeit um 800 nach Christus zurückversetzen – nicht zufällig die Zeit, als der Aachener Dom geschaffen wurde. (leu)