Aachener Zeitung: Montag, 16. September 2002

Angedachtes „Berliner Modell" will die
Erzieherinnen künftig an der Uni ausbilden


Neue Idee wird bei Herbsttagung der Clara-Fey-Schule in Aachen vorgestellt


Aachen. Für die Ausbildung der Erzieherinnen auf Hochschulebene wirbt Norbert Hocke bei der Herbsttagung der Bischöflichen Clara-Fey-Schule am 26. September. Die Tagung steht in diesem Jahr unter dem Motto „Pisa und die Konsequenzen für die Vorschulpädagogik". Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) wird das „Berliner Modell" vorstellen - ein Konzept der GEW, der Berliner Alice-Salomon Fachhochschule für Sozialpädagogik und des Pestalozzi-Fröbel-Haus. Angelehnt an die Ausbildung der Erzieherinnen in vielen europäischen Ländern, soll das „Berliner Modell" das Niveau der Qualifikation steigern. Forschung und Lehre sollen dabei miteinander verknüpft werden; die Ausbildung soll berufsspezifischer verlaufen. Das Konzept, das der Bund- und Länderkommission (BLK) für Bildungsplanung und Forschungsförderung bereits seit zwei Jahren vorliegt, sieht vor, dass angehende Erzieherinnen ein Studium von insgesamt acht! Semestern an einer Fachhochschule absolvieren. Während im Grundstudium sozialpädagogische Kenntnisse vermittelt werden, konzentriert sich das Hauptstudium auf die Bildung im Bereich der frühen Kindheit. Abgeschlossen wird, das Studium mit dem international anerkannten Bachelor of Education. Bisher ist es so, dass die angehenden Erzieherinnen nach der Realschule oder - im immer seltener werdenden Fall - nach dem Abitur an einer Berufsfachschule zwei Jahre lang auf die anschließende praktische Ausbildung vorbereitet werden. Was aber passiert mit den Berufsfachschulen, wenn angehende Erzieherinnen an der Uni lernen? „Die wird man nicht im Regen stehen lassen, sondern werden durch Wissenschaft und Forschung ergänzt", verspricht Hocke. „Bislang ist der Unterricht an den meisten Berufsfachschulen nur eine Fortsetzung des klassischen Schulsystems. Das muss sich ändern." Durch die geplante längere Ausbildungszeit - immerhin müssen acht Hochschulsemester absolviert werden - wird zudem vermieden, dass die zukünftigen Erzieherinnen bereits im Alter von 20 Jahren in ihr Anerkennungsjahr gehen. Seit 15 Jahren beschäftigt sich die GEW mit der Ausbildung von Erzieherinnen und zieht Vergleiche zu anderen europäischen Ländern. An der Stockholmer Universität in Schweden gehört ein gemeinsames Grundstudium von Lehrern und Erziehern bereits zum Alltag. Und auch die Italiener haben damit begonnen, Grundschullehrer und Erzieher gemeinsam auszubilden. Die Karriere von Erziehern würde flexibler und auch den hohen Erwartungen an die frühkindliche Erziehung gerechter, meint Hocke. „Von den Erzieherinnen in den Kindergärten wird immer mehr verlangt. Sie sollen die Kinder an eine Fremdsprache heranführen, ihnen physikalische Prozesse wie Blitz und Donner erklären und das alles unter den Gesichtspunkten der Entwicklungspädagogik", erläutert Hocke die Notwendigkeit einer Hochschulausbildung.