Clara-Fey Biographie
1815 - 1894


Zur gleichen Zeit, als der Aachener Arzt Dr. Heinrich Hahn (1800-1882) zur Unterstützung der katholischen Missionen eine Bruderschaft des hl. Franziskus Xaverius gründet und sich um deren kirchliche und staatliche Anerkennung bemüht, beschäftigt sich die sensible Lyrikerin Luise Hensel, von 1827-1833 als Lehrerin an der St. Leonhard-Schule in Aachen tätig, mit der Frage, wie wohl der Not des entstehenden Proletariats wirksam begegnet werden könne. Luise Hensel ist überzeugt, daß die Lösung der sozialen Frage vor allem von einer geistigen und moralischen Neubesinnung abhängt. Für die Lehrerin gibt es keine wirkliche Humanität ohne eine Rückbesinnung auf die Fundamente des christlichen Glaubens und eine Rückkehr zu einem diesem entsprechenden Leben.
Ihre Gedanken beeindrucken besonders tief und nachhaltig drei ihrer Schülerinnen, die wenige Jahre später nun ihrerseits zur religiös-sozialen Erneuerung beitragen: Clara Fey, Pauline von Mallinckrodt und Franziska Schervier.
Der Schülerin Clara Fey, geboren am 11. 4. 1815, sind die Gedanken der Lehrerin nicht neu. In ihrem EIternhaus in der Bendelstraße in Aachen trifft sich ihr Bruder Andreas, der nach seiner Priesterweihe 1830 als Kaplan an der Pfarrkirche St. Paul tätig ist, regelmäßig mit einem Freundeskreis, der sich über die bedrängte Lage der Kirche, über seelsorgliche Erfahrungen, über religiöse und kulturelle Fragen und über die Nöte der Mitbürger austauscht und Wege zur Lösung der drängenden Probleme berät. Vor allem das Elend der Kinder wollen sie lindern helfen.
Gerade dies ist auch das Anliegen Claras. Vielleicht hatten schon die lange Krankheit und der frühe Tod des Vaters sie dafür besonders empfänglich gemacht. (Als sie gerade de drei Jahre alt war, hatte der damals 38jährige einen Schlaganfall erlitten. Nach zweijährigem Siechtum war er gestorben.) Und auch ihre Erfahrungen, die sie, 17jährig, in einer Gruppe von Krankenbesucherinnen während einer Cholera-Epidemie im Jahre 1832 machte, wirkten nach. Vor allem aber war es eine Entscheidung, die im Glauben gründete. Clara Fey sieht in den armen
Kindern den armen Jesus, von dem sie als elfjähriges Mädchen einmal geträumt hatte, daß er ihr als armes Kind in einer Straße Aachens begegnet sei.
Zu Beginn des Jahres 1837 berät der Freundeskreis im Feyschen Haus erneut praktikable Hilfsmöglichkeiten. Er beschließt, in der Pfarre St. Paul in Aachen eine Armenschule für Kinder zu errichten. Ein Raum wird angemietet in dem Clara Fey zusammen mit einigen Freundinnen die Arbeit beginnt. Die Kinder bedurften in der Tat der Hilfe. Viele Haushalte waren verwahrlost; die Mütter arbeiteten in den Fabriken; die Arbeitszeit betrug damals 12 bis 14 Stunden täglich. Viele Kinder streunten durch die Straßen, noch mehr arbeiteten für Billiglöhne ebenfalls in den Fabriken, ebenfalls 12 bis 14 Stunden. Einige Daten: 1850 zählte man in einer Aachener Tuchfabrik von 250 Beschäftigten 225 Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren; in einer Nadelfabrik wurden vorwiegend Vier- bis Zehnjährige beschäftigt, deren tägliches Soll eine Million Stecknadeln war; in einer Großspinnerei arbeiteten tags 96 Kinder, nachts 65. Trotz des im Jahre 1827 ver kündeten Schulzwanges wurden bei weitem nicht alle Kinder erfaßt: von 7.700 schulpflichtigen Kindern in Aachen konnten 4.700 keine Schule besuchen, weil es die Armenschulen in den Pfarreien noch nicht gab. Unter solchen Umständen wird das angemietete Zimmer bald zu klein. 1840 bietet die Stadt in den leerstehenden Räumen eines alten Dominikanerklosters einige zusätzliche und größere Zimmer an. Die Zahl der aufgenommenen Kinder wächst rasch. 1844 gründet Clara Fey zu. zusammen mit drei Gleichgesinnten ein Haus für Waisenkinder. Angeregt und ermutigt durch den von einer kirchenfeindlichen Regierung aus seinem Apostolischen Vikariat Luxemburg verbannten Bischof Laurent, einer aus dem Freundeskreis um Andreas Fey, entwickelt sich aus dem gemeinsamen apostolischen Einsatz eine Gemeinschaft, deren Mitglieder geloben, arm und in Gütergemeinschaft zu leben, ehelos zu bleiben um Christi willen und im Gehorsam verfügbar zu sein im Dienst an schutzbedürf tigen Kindern und Jugendlichen. Sie nennen sich „Schwestern vom armen Kinde Jesus“.
1875 beenden die Maigesetze Bismarcks das Wirken der Schwestern auf preußischem Boden. Alle Ordensgemeinschaften, die sich dem Unterricht und der Erziehung widmeten, werden des Landes verwiesen. Für die von Clara Fey gegründete Gemeinschaft bedeutet dies die Schließung von 23 Häusern. Ihr wird geraten, die religiöse Gemeinschaft zu säkularisieren. Clara Fey lehnt ab. Sie verläßt 1878 ihre Vaterstadt und verlegt das Mutterhaus ins holländische Simpelveld. Was zunächst als totale Vernichtung erschien, brachte die Ausbreitung der Gemeinschaft im Ausland. Als Clara Fey am 8. 5. 1894 stirbt, zählt die Gemeinschaft 1.157 Mitglieder, die ihre Gründerin verehren als die „Mutter vieler Kinder".

Weitere Seiten zu Clara Fey im Internet:

Schwestern vom armen Kinde Jesus
 

Die Entwicklung der Clara-Fey Schule in Aachen seit der Gründung 1967 ist in der "Chronik der Clara-Fey-Schule" kurz dargestellt.