Aachener Nachrichten, Samstag
21.Dezember 1991
Fortbestand ist
gesichert
Bistum führt
Clara-Fey-Schule in Burtscheid fort
Von NADJA STEIN
Aachen. — Die ersten Monate sind
überstanden; Schüler, Lehrer und Verwaltungsbedienstete haben
sich aneinander gewöhnt: In der Clara-Fey-Schule hat in diesem Schuljahr
ein neues Kapitel begonnen. Seit 1. August ist das Bistum Aachen Träger
der Fachschule für Sozialpädagogik der Schwestern vorn armen
Kinde Jesus. Bei der Übernahmefeier stellte sich Rudolf Nottebaum
offiziell als neuer Schulleiter vor. Seit ihrer Gründung im Jahre
1967 hat die Clara-Fey-Schule eine wechselvolle Geschichte erlebt. Begann
sie damals als „Schule für Heimerziehung" mit ganzen acht Schülern,
so werden in der heutigen Fachschule für Sozialpädagogik 86 Schülerinnen
und Schüler zu Erziehern für den Jugend- und Heimbereich sowie
- erstmals in diesem Jahr - für Kindergärten ausgebildet.
Ordensära ist zu Ende
Verborgen hinter dicken Klostermauern
liegen die langen Schulflure, die Klassenzimmer und Fachräume, doch
die Ordensära ist im Gebäude an der Michaelsbergstraße
zu Ende gegangen. Als die langjährige Schulleiterin Schwester Leonie
im Oktober vorigen Jahres zur Generalassistentin der Schwestern vom armen
Kinde Jesus nach Simpelveld berufen wurde, war die weitere Existenz der
Schule zunächst gefährdet. Dem Orden fehlte es an qualifiziertem
Führungsnachwuchs, mitten im Schuljahr mußten Verwaltung und
Leitung der Schule ausgewechselt werden.
„Dem Bistum dankbar"
Die Existenz ist mittlerweile gesichert.
Auf Bitte des Ordens übernahm das Bistum Aachen die Trägerschaft.
„Dafür sind sehr dankbar", so Ordensschwester Angelika. Doch die Nachfolger
treten ein schweres Erbe an: „Der Weggang von Schwester Leonie ist eine
Ohrfeige für Aachens Schulszene", erklärte Prälat Johannes
Sistig, Leiter der Hauptabteilung Erziehung und Schule im Bistum Aachen.
Zwar habe man ausreichend Erfahrung
sowie die nötigen Mittel, um die Schule grundsätzlich so weiterzuführen
wie bisher, aber: „Anstoß und Charme des Evangeliums werden doch
am besten durch einen von einem geistigen Orden geprägten Menschen
erfahrbar. Wir werden zwar unser Bestes geben, aber ich weiß nicht,
ob wir es genauso schaffen." Sein Bestes für den Fortbestand der Fachschule
für Sozialpädagogik gibt auch der neue Schulleiter Rudolf Nottebaum,
der bisher am Gymnasium St. Ursula Deutsch, Biologie und Pädagogik
unterrichtete. In seiner knapp halbjährigen Amtszeit hat er sich den
Zielen der Schule, die im September nächsten Jahres 25 Jahre alt wird,
bereits verschrieben: „Für Solidarität gegenüber den Mitmenschen
und für ein Mitwirken in der Gesellschaft".
Aachener Volkszeitung, Montag
23.Dezember 1991:
Bistum rettete
Schule vor dem Aus
Neue Trägerschaft
der Clara-Fey-Schule für Sozialpädagogik offiziell gefeiert
Von Evamarie Kaufhold
Aachen. „Die Clara-Fey-Schule ist
eine ganz besondere Schule — ohne Schulhof und Namensschild." Mit Humor
warb Studiendirektor Rudolf Nottebaum bei seiner Amtseinführung für
sein neues Wirkungsfeld. Mit einer Feierstunde in der Aula der katholischen
Fachschule für Sozialpädagogik begingen jetzt Schüler so
wie alter und neuer Schulträger die Übergabe der Ausbildungsstätte
an das Bistum Aachen.
Seit 1963 erhalten in der modern
ausgestatteten Schule hinter den dicken Klostermauern am Michaelsberg Jugend-
und Heimerzieher/-innen in einem dreijährigen Studiengang ihre berufliche
Qualifikation. Sinnvoll eingeteilt ist das Verhältnis zwischen Theorie
und Praxis unter deutlich christlichen Vorzeichen. Im Geiste der Ordensgründerin
und Namensgeberin der Fachschule, Clara Fey, die im letzten Jahrhundert
Ausbildungsstätten für Gestrauchelte und Mittellose einrichtete,
führten bis zum Sommer vergangenen Jahres die Schwestern vom armen
Kinde Jesus die berufsbildende Schule.
Die Berufung von Schulleiterin Schwester
Leonie zur Assistentin der Generaloberin im Mutterhaus des Ordens in Simpelveld
machte eine Neuorientierung nötig. Vor allem aber einen neuen Träger.
Das Bistum Aachen reagierte „ungewöhnlich schnell", wie Prälat
Johannes Sistig bei der offiziellen Feier zugab. Der Grund für die
rasche Zusage: Die Clara-Fey-Schule ist nicht nur ein fester Begriff im
Aachener Schulsystem, sondern weit und breit auch die einzige Einrichtung,
die speziell Heimerzieherinnen qualifiziert. Wäre es nicht zur Übernahme
gekommen und die Ausbildungsstätte geschlossen worden, hätte
das auch das „Aus" für manchen Studierenden bedeutet, denn die nächstgelegene
Fachschule mit ähnlichem Ausbildungsgang ist in Düsseldorf angesiedelt.
Trotzdem bezeichnete Prälat
Sistig die Abberufung Schwester Leonies und die damit ausgelösten
Probleme für die Schule „als eine Ohrfeige für die Aachener Schulszene".
Und weiter: „Wir (vom Bistum) machen nichts anders, aber ich weiß
nicht, ob wir es so gut machen werden."
Von Optimismus war erst einmal die
Schulfeier geprägt, an der runde 100 Gäste teilnahmen. Die 86
Schüler und Schülerinnen — seit einigen Jahren sind auch Männer
zur Ausbildung in der Clara-Fey-Schule zugelassen — hatten die Sporthalle
mit selbstgestalteten Plakaten ausgeschmückt und sorgten auch für
die kulturelle Einlage. Mit einer eigenen Choreographie auf Maurice Ravels
berühmten „Bolero" und in einer Pantomime zeigten die künftigen
Erzieherinnen, was sie an Kreativität leisten können.
Das Kulturprogramm hatte nach der
Festandacht mit einer ungewöhnlichen Präsentation der Schulgeschichte
begonnen: Sehr zum Vergnügen besonders der kleinen Gäste hatten
die Hobby-Mimen den geschichtlichen Rückblick als Schattentheaterstück
inszeniert. Nicht zuletzt unter dem neuen Schulträger werden solche
Arbeiten künftig noch mehr in den Vordergrund rücken. Seit der
Übernahme der Schule im September bietet die Fachschule nämlich
einen neuen Ausbildungszweig an — für Erzieherinnen im Elementar-und
Kindergartenbereich.