Fachtagung 2003
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Die regelmäßige Fachtagung
als eintägige Fortbildung für Erzieher, Lehrer und Studenten an unserer Schule
fand am 23.09.03 statt.
Das Thema lautete diesmal:
„Problemkinder in Kindergarten und Heim : Analyse und Prävention"
Dabei stellte

Prof.Dr.Pfeiffer
(Kriminalsoziologisches Institut des Landes
Niedersachsen)
in der Aula der Schule sein gleichnamiges Grundsatzreferat vor.

Zunächst die Begrüßung durch Herrn Dr.
Nottebaum.

Dann begann der Vortrag...

...von Prof. Pfeiffer, der mit...

...großem Interesse aufgenommen wurde.

Anschließend gab es Möglichkeiten
zu Fragen und zur Diskussion.
Weiterer Austausch
konnte beim anschließenden Imbiss in der Mittagspause stattfinden,

den
die Schülerinnen und Schüler liebevoll vorbereitet hatten.

An dieser Stelle noch einmal "Herzlichen
Dank" dafür!!!
Es hat alles reibungslos funktioniert ;-)

Sogar das Wetter
hat mitgespielt...

Nachmittags fanden dann noch verschiedene Workshops zu dem Thema statt,
die ebenfalls großen Anklang fanden.
Als Ergänzung zu dem Fachtag hier noch ein Interview der Aachener Zeitung mit Professor Pfeiffer:
Aachener Zeitung Nr. 216 vom 17. September 2003Alarmierender Befund:
Immer mehr Kinder verhaltensgestört
Kriminologe Christian Pfeiffer
fordert neue Konzepte gegen Sprach- und Medienverwahrlosung - Tagung in Aachen
Zwischen neun und 23 Prozent der Kinder in Deutschland
sind verhaltensgestört.
Wissenschaftlich belegte Zahlen gibt es nicht. Aber: «Der Anteil der Kinder mit
deutlichen Verhaltensstörungen nimmt zu», sagt Professor Christian Pfeiffer,
Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen und ehemaliger
Justizminister des Landes.
Im Gespräch mit AZ-Redaktionsmitglied Yvonne Charl spricht Pfeiffer über
die Bedeutung von Familien, den Umgang mit Medien und neue Konzepte für Kindergärten.
Woran machen Sie fest, dass die Zahl der Problemkinder gestiegen ist? Kann
es nicht sein, dass einfach die Sensibilität für dieses Thema gestiegen ist?
Pfeiffer: Nein, es gibt diese größere Sensibilität, weil die Zahl der
betroffenen Kinder tatsächlich angestiegen ist. Das betrifft beispielsweise die
Zahl der Drei- bis Zehn-Jährigen, die unter dem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom
leiden. In Kindergärten beobachten wir seit einigen Jahren einen wachsenden
Anteil von Kindern, die ein sehr reduziertes Sprachvermögen haben - und dies
nicht, weil sie in einer ausländischen Familie aufwachsen. Wegen dieser gestörten
Interaktionsfähigkeit sind sie in der Entwicklung ihrer sozialen und
intellektuellen Kompetenzen behindert.
Welche Ursachen haben diese Phänomene?
Pfeiffer: Kinder mit der ADS-Veranlagung brauchen viel körperliche
Bewegung, feste soziale Strukturen und gesunde Ernährung. Wenn alle drei
Faktoren positiv gegeben sind, kommt die Krankheit gar nicht erst richtig zum
Ausbruch. Wenn aber der Alltag eines solchen Kindes ge- prägt ist von
stundenlangem fernsehen, Bewegungsarmut, häufigem Wechsel der alltäglichen Abläufe
und «junk food», dann ist es nicht verwunderlich, wenn die ADS-Symptome
virulent werden. Bei den Kindern mit Sprachdefiziten ist ein Faktor, dass sie in
Familien aufwachsen, in denen die Bezugspersonen extrem wenig mit dem Kind
direkt kommunizieren und ständig der Fernseher läuft.
Also sind die Medien schuld?
Pfeiffer: Jedenfalls der falsche Umgang mit ihnen. Erschreckend ist, dass
mittlerweile 23 Prozent der Sechsjährigen einen eigenen Fernseher haben. Null
Prozent wäre hier entschieden besser.
Stichwort «Amoklauf Erfurt»: Sehen Sie auch hier einen Zusammenhang mit
den Medien?
Pfeiffer: Es müssen natürlich mehrere Faktoren zusammenkommen, damit so
etwas geschehen kann. Nicht jedes Kind, das einen Horrorfilm sieht, wird gewalttätig.
Fünf bis zehn Prozent der Jungen gelten allerdings als hoch gefährdet, weil
sie bereits aufgrund von massiven familiären und sozialen Problemen
gewaltorientiert sind.
Stimmt das Vorurteil, dass Kinder, die geschlagen werden, selber zu Gewalt
neigen?
Pfeiffer: Auf Jungen trifft das oft zu, auf Mädchen eher nicht. Mädchen
lernen die Opferrolle und bleiben sehr passiv. Natürlich gibt es Jungen, die zu
Pazifisten werden, weil sie die Gewalt zu Hause verabscheuen. Aber die Mehrheit
der Jungen setzt selbst erlebte Gewalt wiederum in Gewalt um.
Grund ist also auch die zunehmende Verwahrlosung der Familien. Spielt
dabei auch steigende Armut eine Rolle?
Pfeiffer: Das ist ganz offensichtlich. Die Zahl der Kinder, die in Armut
leben, hat sich vervierfacht. Hinzu kommt eine mangelnde Integration von
Zuwandererfamilien. Statt ausländische Kinder in eigenen Kindergartengruppen zu
konzentrieren, müssen wir gemischte Gruppen schaffen. Kanada ist da Vorbild.
Dort gibt es die Regelung, dass nie mehr als vier bis fünf Zuwandererkinder in
einer Gruppe sein dürfen. Diese Zahl ermöglicht es, die Kinder zu integrieren
und ihre Sprachfähigkeiten deutlich zu verbessern. Passiert dies nicht, rächt
sich das - wie bei uns in den Grundschulen. Ganz wichtig sind natürlich auch
die Eltern. In Kanada bieten Kindergärten Sprachkurse für Eltern von ausländischen
Kindern an.
Das erfordert mehr Personal und besonders geschulte Erzieherinnen und
Erzieher. Die Politik muss also mehr Geld zur Verfügung stellen?
Pfeiffer: Richtig, und weil die Finanzierung über staatliche Mittel
immer schwieriger wird, brauchen wir auch hier neue Modelle. Jammern gilt nicht,
wir sind immer noch ein Land, in dem es sehr viel Reichtum gibt. Wir brauchen
mehr Bürgerstiftungen, die sich zum Beispiel für die Kindergärten engagieren.
In 25 Orten konnten bereits solche Stiftungen gegründet werden. Auch für
Aachen wäre das sicherlich ein Modell.
Herbsttagung für Erzieher am 23. September
Professor Christian Pfeiffer spricht im Rahmen der Herbsttagung «Kooperation
von Schule und Praxis» am 23. September in der Bischöflichen Clara-Fey-Schule,
Michaelsbergstraße 36, in Aachen.
Im Anschluss werden erzieherische und heilpädagogische Methoden für die Arbeit
mit Kindern und Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung von Erzieherinnen und
Erziehern in Workshops erarbeitet. Infos und Anmeldung bei der Bischöflichen
Clara-Fey-Schule, Berufskolleg des Bistums Aachen, unter 0241/604352.
Hier noch einige Eindrücke von den vergangenen Fachtagungen...